Die Situation

Die Grundausbildung der Schulen in Karamoja/Uganda ist mangelhaft. Angefangen mit der Grundschule bis hin zum Abschluss des Gymnasium bieten die Schulen keine optimale Ausbildung für ein angestrebtes Studium.

Zudem fehlen vielen Schulen sanitäre Einrichtungen sowie eine funktionierende Stromversorgung. Ganz abgesehen davon, dass eine Vielzahl von Schulen renovierungsbedürftig sind. Häufig sind einfachste Lehrmittel nicht vorhanden wie z.B. Tafeln, Schulbücher, Stifte, Schulhefte und vieles mehr. In den Schulräumen sitzen Kinder noch auf dem nackten Boden, da Schulmöbel nicht bezahlbar sind. Oft müssen die Nomadenkinder der Karamojong, am frühen Morgen mit leerem Magen, viele Kilometer über unbefestigte Straßen ihren Schulweg auf sich nehmen.

Die Eltern in Uganda müssen jährlich das Schulgeld selbst aufbringen. So wird das Schulgeld in Karamoja beispielsweise durch den Verkauf von überlebenswichtigen Vieh finanziert.

Das Schulsystem in Uganda sieht in der siebten Klasse eine Prüfung der Schüler vor. Hier entscheidet sich dann, ob die Schüler weiterhin den Schulweg beschreiten dürfen oder ob sie aufgrund mangelnder Kenntnisse die Prüfung nicht bestehen. Dadurch sind die Schüler gezwungen diese Klasse zu wiederholen. Meist werden die Kinder sofort aus der Schule herausgenommen, weil sich die Eltern kein weiteres Jahr leisten können. Weitere Zwischenprüfungen fallen in der elften Klasse und schließlich die Abschlussprüfung an.

Besteht ein Schüler oder eine Schülerin die anfallende Prüfung, verkaufen die Eltern meist wieder etwas aus dem Viehbestand, der das alltägliche Überleben und Zukunft der Familie sichert. So können die Schüler weiterhin die Schule besuchen, um ein Studium anzustreben. Eine Karamojong-Familie schafft es durchschnittlich nur zwanzig Prozent seiner Kinder bis zur Universität finanziell zu unterstützen. Die daraus resultierende Hoffnung ist, dass die Kinder nach dem Studium mit ihren Einkommen zur Aufrechthaltung des Familenclans beitragen.

Schüler, die die Schule verlassen müssen, erhalten von ihren Familien lediglich Essen, einen Schlafplatz und kämpfen um das nackte Überleben. Eine Bezahlung gibt es nicht.

Die Mädchen werden meist an ältere Männer zwangsverheiratet, die sich noch eine sechste oder siebte Ehefrau leisten können. Durch solche „Tauschgeschäfte“ kann der Viehbestand in den Familien wieder erhöht werden. Viele junge Männer rutschen in die Kriminalität ab, wenn sie nicht von einem starken Familienverband aufgefangen werden.

Da die jungen Menschen aufgrund Internet oder Fernsehen über die Möglichkeiten in Europa durchaus informiert sind, legen die Familien oft Geld zusammen, um Ihnen eine meist illegale Reise nach Europa zu ermöglichen. Dadurch erhoffen sie sich, dass sie dort als Gelegenheitsarbeiter Geld verdienen, um dieses an die Familien in Karamoja/Uganda zu schicken. Dies geschieht dann häufig in der Schwarzarbeit auf dem Bau oder in Servicebereichen, z. B. in der Gastronomie, in Putzkolonnen oder auch durch Prostitution. Alle Gelegenheiten werden wahrgenommen, um den Familienverbund zu unterstützen. Junge Männer und Frauen riskieren ihr Leben auf offener See in einer Nussschale um die europäische Küste zu erreichen. Wenige von ihnen erreichen ihr Ziel und zudem werden eine Vielzahl durch nationalen Behörden in die Heimat zurückgeführt. Dieser kostspielige Rückschlag hält sie aber nicht davon ab weitere gefährliche Einwanderungsversuche zu unternehmen.

Es entwickelt sich ein tödlicher Kreislauf aus dem es extrem schwierig ist heraus zukommen. Auf der einen Seite, weil es kein Möglichkeiten für eine Berufsausbildung gibt und auf der anderen Seite, weil viele angestrebte Jobs nicht zur Verfügung stehen.